Gastkommentar zu Mark Dittli

Guten Brunch Traders,
Mark Dittli, ein renommierter und äußerst angenehmer Ökonom gab kürzlich seine Einschätzung zum Bondmarkt öffentlich und uneingeschränkt zum Besten. Grund genug für mich, einen kurzen Gastkommentar abzugeben:
Ab 24:56 Ihres Videos habe ich nicht ganz verstanden, wie Sie BIP/M2 interpretieren. Nach Schweizer Definition ist M1: Bargeldumlauf plus Sichteinlagen; M2: M1 plus Spareinlagen in Schweizer Franken. Gegeben der expansiven FED Geldpolitik, und dem andauernden Problem des Wirtschaftswachstums trotz Geldschwemme (vgl. Draghi, ECB) dürfte das BIP und damit die Mittel für Konsum und Deflation auf lange Sicht weit, weit hinterherhinken (wenn es überhaupt auf absehbare Zeit zu einem strukturellen Wachstum kommt, was bislang nicht an Geld gescheitert ist).
Diese Umlaufgeschwindigkeit als „Inflation“ betrachtet finde ich als erste umgreifende Definition erst einmal gar nicht so übel! Ich möchte sagen, falls und bis diese Geldschwemme zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum führt, welches letztlich zu Deflation führen würde, gehen noch ein paar Jahre den Bach runter.
Neulich lese ich im Managermagazin, die Wirtschaft könne nur noch weiterwachsen, wenn die Menge an Arbeitnehmern ansteige. Die Arbeitnehmer würden „seit Jahren nicht mehr produktiver“ [sinngemäß]. Eine Frechheit, wo doch die Industrie 4.0 schon längst als nächste Etappe zur Produktivitätssteigerung gesetzt ist.
Der Bondmarkt ist m.E. gut beraten, dass Geld im Umlauf zu halten, sprich den Konsum zu fördern in dem die Bondrenditen niedrig gehalten werden. Darüber hinaus schwächt man die eigene Währung weiter, vgl. M2 versus M3, womit neben Expansion der Geldmenge und anderen Zentralbankinstrumenten, die Exportseite attraktiv gehalten wird. Das Gesamtsystem wird beweisen müssen, ob es einen solchen extremen Wettlauf kompensieren und in konstruktive und ökologisch verträgliche Bahnen zu lenken im Stande ist.
Ansonsten vielen Dank an Herrn Dittli und seinem Team bei „the market – NZZ“. Ihr leistet großartige Arbeit, hervorragende und vor allem relevante Beiträge weitab vom übrigen Gross der Weltwirtschafts-Recherchen.

https://www.fxstreet.com/news/feds-balance-sheet-size-to-exceed-10-trillion-by-the-end-of-2021-202006260258